Regine Hawellek - Bildhauerin

Über meine Arbeiten

Mein Thema ist der Mensch, seine Phantasien und Bedürfnisse. Und die Vorstellungen, die er sich von seiner Umgebung macht.


Der Baum

Mein bevorzugtes Material ist Holz. Bei der Bearbeitung bietet es Widerstand, hat eine eigene Geschichte, und seine Oberfläche fühlt sich warm an. Fenster, Möbel oder Schalen werden aus Holz hergestellt. Ich schnitze Bäume aus diesem Material. Genau genommen verwende ich einen gefällten Baum dazu, sein kleineres Abbild nachzuformen, um dieses wieder in der Landschaft aufzustellen. So schließt sich ein Kreis.

In meinen Skulpturen thematisiere ich den Unterschied zwischen dem Material Holz und seinem Ursprung, dem Baum. Je nach Standpunkt des Betrachters wird das Phänomen Wald anders wahrgenommen. Der eine denkt an "Ertrag", der andere an "Erholung" und ein Dritter an "Klima" – um nur einige Aspekte zu nennen. Sind wir Menschen in der Lage, ein anderes Wesen zu erkennen, ohne etwas Eigenes auf unser Gegenüber zu projizieren? Meine aus Holz geformten Bäume jedenfalls weisen gelegentlich menschliche Züge auf.

Bei einigen Skulpturen für den Außenraum kombiniere ich architektonische Elemente wie Treppen, Säulen oder Fenster mit natürlichen Formen. Beim Entstehungsprozess der Holzskulptur werden Bereiche erhalten, die die ursprünglichen Ausmaße des Baumstammes erkennen lassen. Den vom Menschen konstruierten, geraden Formen stelle ich die weichen, natürlichen gegenüber.

Das Tafelbild der Zweige (PDF-Download)

Ein Baum hat viele Gesichter, verliert er so gut wie alles, wird er zum Brett. Doch welche neuen Möglichkeiten entstehen bei dieser Transformation zur Fläche?

In meinen Arbeiten beschäftige ich mich mit dem Unterschied zwischen dem Material Holz und seinem Ursprung, dem Baum. Ich ergänze ein Stück Holz oder ein Brett um das, was es nicht mehr hat: um Äste. Dabei verbinde ich gedanklich zwei Zeitebenen: "Was war - was ist?" Dazwischen oszilliert es beständig hin und her. Der Versuch, in sich ein Kontinuum herzustellen, ist befriedigender, als es zu erreichen.

Ein Baum steht für mich auch für die Erfahrung von Raum. In der norddeutschen Landschaft wird er zum bildhauerischen Ereignis: Waagerechte, Senkrechte. Aber auch die Ausdehnung einer Laubkrone definiert einen weit ausgreifenden Raum, einen luft- und lichtdurchlässigen zumal.

In der letzten Schaffensperiode entstanden vor allem Reliefs. Es handelt sich um Massivholztafeln, auf denen ein Blick durch Äste dargestellt ist. Auch hier werden zwei unterschiedliche Zustände miteinander vereint: das Massige, Undurchsichtige der Stammnähe, das sich über Äste, Zweige und Laubwerk in die Weite auflöst.

Beim Betrachten der Werke ist die Blickrichtung ebenfalls von Bedeutung, denn die Reliefs entfalten eine unterschiedliche Wirkung, je nachdem von welcher Seite man sich ihnen nähert.

Objekte für den täglichen Gebrauch

Ausgehend von einem inneren Bild forme ich Gegenstände aus Holz, die oft mit Pferdehaaren kombiniert werden. Ihr Nutzen liegt jedoch nicht im praktischen oder handwerklichen, sondern im ideellen Bereich. Die Objekte sind Platzhalter für all das, was fehlt, für etwas, das eine Person braucht oder sich wünscht. Die Objekte für den täglichen Gebrauch erlangen erst im Zusammenhang mit dem Menschen, der sie "benutzt", eine Bedeutung.

Ihre Bezogenheit auf den Menschen spiegelt sich auch in ihren körperbezogenen Maßen und der haptischen, hautähnlichen Oberfläche wieder.

Mit meinen Skulpturen möchte ich den Blick auf etwas lenken, das es zu entdecken gilt. Ein damit verbundenes Moment des Innehaltens, Vergleichens und sich Versenkens ist erwünscht.



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